Was bedeutet ein Job für die Kandidat*innen?
Für 88 % der Befragten bedeutet eine Anstellung die Möglichkeit, den eigenen Lebensunterhalt zu bestreiten. Für Frauen (95 %) ist dieser Punkt wichtiger als für Männer (81 %). 71 % können mit ihrem Job die eigene Zeit ausfüllen. Die Sinnfrage können 73 % der Befragten mit ihrem Job beantworten. Im Rahmen ihrer Arbeit zu einer Gemeinschaft zu gehören, spielt für 66 % der Befragten eine wichtige Rolle. 70 % betrachten die eigene Tätigkeit als wichtigen Teil der eigenen Identität.
Wie stark fühlen sich Arbeitnehmende mit ihrem aktuellen Arbeitgeber emotional verbunden?
Die Studie zeigt, dass es um die grundsätzliche Verbundenheit von Arbeitnehmer*innen zu ihrem Arbeitgebenden schlecht steht: Nicht einmal jede*r zweite Befragte (46 %) empfindet eine “eher starke” oder ”starke” emotionale Verbundenheit zum derzeitigen bzw. letzten Arbeitgebenden. Bei den 18- bis 34-Jährigen ist der Wert mit 42 % am geringsten, bei den über 45-Jährigen mit 49 % am höchsten.
der Befragten empfindet eine emotionale Verbundenheit zum Arbeitgeber.
Warum entscheiden sich Arbeitnehmende dazu, ihren Arbeitgeber zu verlassen?
sehen "unzureichende Bezahlung" als Grund, den derzeitigen Job zu verlassen.
würden ihre aktuelle Stelle verlassen, wenn das Arbeitsumfeld schlecht für die eigene psychische Gesundheit ist.
sagen, dass "schlechte Führung" der Grund ist, den derzeitigen Job zu verlassen.
sehen "unzureichende Bezahlung" als Grund, den derzeitigen Job zu verlassen.
würden ihre aktuelle Stelle verlassen, wenn das Arbeitsumfeld schlecht für die eigene psychische Gesundheit ist.
sagen, dass "schlechte Führung" der Grund ist, den derzeitigen Job zu verlassen.
Das eigene allgemeine Wohlbefinden spielt für den Abschied von einem Arbeitgebenden laut der Umfrage eine wichtige Rolle: So würden über drei Viertel der Befragten ihre aktuelle Stelle verlassen, wenn das Arbeitsumfeld schlecht für die eigene psychische (78 %) und körperliche Gesundheit (74 %) ist. Die körperliche und psychische Verfassung hängt eng mit der Frage der Workloads zusammen: 73 % möchten ihre Position verlassen, wenn sie überlastet sind. Hier ist der Wert bei Frauen (80 %) höher als bei Männern (65 %). Die eigene körperliche Gesundheit sind besonders Menschen über 45 Jahre (79 %) wichtig.
Auf der anderen Seite auch Faktoren wie “unzureichende Bezahlung” (79 %) und “schlechte Führung” (75 %) ausschlaggebend für den Entschluss sein, sich nach einer neuen Stelle umzusehen. Frauen würden ihre Stellung eher als Männer verlassen, wenn die Bezahlung nicht stimmt (86 % versus 72 %). Für die 18- bis 34-Jährigen ist auch das Thema remotes bzw. hybrides Arbeiten wichtig: 58 % denken eher darüber nach, die derzeitige Stelle zu verlassen, wenn diese Arbeitsformen nicht angeboten werden.

„Führungskräfte sollten sich regelmäßig ein Bild von der aktuellen Arbeitsbelastung machen, um sicherzustellen, dass ihre Mitarbeitenden nicht überlastet sind. Programme für psychische Gesundheit und Sport bilden selbstverständlich eine wichtige Prophylaxe.”
Rebecca Taylor-Clarke
Global Head of People bei Recruitee

Was motiviert Arbeitnehmer*innen ihre derzeitige Position nicht zu verlassen?
Gehaltserhöhung oder Bonuszahlung
Größere Wertschätzung der eigenen Arbeit
Bessere Work-Life-Balance
Verbesserte Führung
Gehaltserhöhung oder Bonuszahlung
Größere Wertschätzung der eigenen Arbeit
Bessere Work-Life-Balance
Verbesserte Führung
Welche Aussagen treffen Kandidat*innen in Bezug auf die Jobsuche?
Neben einem Jobwechsel bewerben sich Arbeitnehmer*innen auch, um den eigenen Marktwert zu prüfen (65 %). Für 71 % der Befragten ist der Prozess zudem eine Möglichkeit, über andere Lebensentwürfe nachzudenken. Insgesamt werden Bewerbungsprozesse als eine tagesfüllende Aufgabe (62 %) gesehen, die für mehr als jede*n Zweite*n (50 %) eine Belastung für das Privatleben darstellt. Spaß empfinden die wenigsten bei der Suche nach einem neuen Job. Dies gaben nur 40 % der Befragten an.
Die Ergebnisse dieser Studie sprechen Bände im Hinblick auf die veränderten Bedürfnisse und Wünsche von Arbeitnehmenden an ihre Arbeitgebenden. Personalverantwortliche sollten hier aufmerksam hinschauen und die gewonnenen Erkenntnisse bei der Ausarbeitung ihrer Recruiting- und Retention-Strategien berücksichtigen.
Vermeintlich kleine Gesten können einen großen Einfluss auf die Zufriedenheit der Belegschaft haben: Wertschätzung durch öffentliche Anerkennung, das Feiern von persönlichen Meilensteinen, ein Raum, in dem Mitarbeitende sie selbst sein können, Support oder regelmäßige Check-Ins – um nur einige zu nennen. Eine Unternehmenskultur, die derartige Maßnahmen und Rituale verinnerlicht hat, vermittelt Mitarbeitenden Wertschätzung für ihre Arbeit und schafft Sicherheit, wodurch sie wiederum motiviert sind, ihr Bestes zu geben.
Ich empfehle dringend "Stay-Interviews" zu führen. Diese Gespräche bilden einen fortlaufenden Dialog, um Bedenken zu verstehen und sie anzusprechen, sobald sie auftauchen. Durch frühzeitiges Eingreifen und auf die individuellen Bedürfnisse zugeschnittene Lösungen lassen sich in solchen Gesprächen oft die bekannteren "Exit-Interviews" vermeiden.
„Die Vereinbarkeit von Berufs- und Privatleben und das allgemeine Wohlbefinden wurden von den Befragten klar als Kündigungsgründe benannt. Für Personalabteilungen scheinen diese Punkte ein steter Balanceakt zu sein, denn natürlich lassen sich nicht alle über einen Kamm scheren. Doch nur wer fragt, wird auch Antworten erhalten.”
Rebecca Taylor-Clarke
Global Head of People bei Recruitee

Die Vereinbarkeit von Berufs- und Privatleben und das allgemeine Wohlbefinden wurden von den Befragten klar als Kündigungsgründe benannt. Für Personalabteilungen scheinen diese Punkte ein steter Balanceakt zu sein, denn natürlich lassen sich nicht alle über einen Kamm scheren. Doch nur wer fragt, wird auch Antworten erhalten. Digitale Umfragen eignen sich hervorragend, da die Mitarbeiter offenes und ehrliches Feedback geben können und dabei anonym bleiben. Zu den weiteren Maßnahmen, mit denen eventuelle Ungleichgewichte angegangen werden können, gehören flexible Arbeitszeiten und Remote-Arbeit, Mitarbeitende zu ermutigen, regelmäßig Pausen einzulegen und ihren Urlaub zum Auftanken zu nutzen. Führungskräfte sollten sich regelmäßig ein Bild von der aktuellen Arbeitsbelastung machen, um sicherzustellen, dass ihre Mitarbeitenden nicht überlastet sind. Programme für psychische Gesundheit und Sport bilden selbstverständlich eine wichtige Prophylaxe.
Unsere Vorstellungen von Arbeit und Leben haben sich seit Beginn der Pandemie grundlegend verändert, worin auch eine große Chance liegt. Arbeitnehmende haben ihre Prioritäten neu definiert und Arbeitgebende müssen sich diesem neuen Status quo zwangsläufig anpassen. Gute Talente anziehen und halten werden nur diejenigen können, die den Arbeitnehmer*innen auf halbem Weg entgegenkommen und ihnen die nötige Freiheit geben, um glücklicher und produktiver am Arbeitsplatz zu sein. Das bedeutet, dass die Mitarbeitenden ermutigt werden, Interessen außerhalb der Arbeit nachzugehen und wichtige Momente ihres Lebens auszukosten, ohne Schuldgefühle oder Repressalien des Arbeitgebenden zu fürchten.
Den HR-Verantwortlichen kommt dabei eine Schlüsselrolle zu. Sie müssen herausfinden, was Arbeitnehmende wollen und was sie ihnen bieten können und passende Maßnahmen und Strategien entwickeln.
Wie können die Ergebnisse eingeordnet werden? Eine Interpretation.
Für Arbeitnehmer*innen wird ein Job auch heute noch vordergründig als Notwendigkeit zum Bestreiten des Lebensunterhalts gesehen. Gleichzeitig gehört er fest zur eigenen Identität. Trotzdem erwägen Arbeitnehmer*innen immer häufiger, sich nach etwas Neuem umzuschauen und ihren derzeitigen Arbeitgebenden zu verlassen.
Doch woran liegt das?
Die Entscheidung von Kandidat*innen sich auf die Suche nach einer neuen Anstellung zu begeben, ist sehr vielschichtig. Zunächst – das macht die Umfrage deutlich – haben Arbeitnehmer*innen heutzutage eine eher geringe emotionale Verbindung zu ihrem Arbeitgebenden, wodurch der Schritt in Richtung einer neuen Stelle grundsätzlich leichter fällt. Nicht einmal jede*r zweite Befragte empfindet die emotionale Verbindung als mindestens “eher stark”. Hier werden vor allem die vergangenen Jahre der Corona-Pandemie und der damit verbundene Wandel in Richtung Remote Arbeit und Homeoffice eine nicht unerhebliche Rolle spielen.
Durch die Corona-Pandemie hat sich auch das persönliche Gesundheitsgefühl von Arbeitnehmer*innen verändert. Aus den Ergebnissen der Umfrage geht hervor, dass die eigene Gesundheit für die Befragten einen höheren Stellenwert einimmt als der Job. Arbeitsumfelder, die die eigene körperliche wie psychische Gesundheit gefährden, sind einer der entscheidendsten Gründe dafür, dass Arbeitnehmer*innen ihre Position verlassen.
Ein weiterer Grund, um die Arbeitsstelle zu verlassen: schlechte Führung. In den vergangenen zwei Jahren sind flexible Arbeitsmodelle in vielen Branchen zur neuen Normalität geworden. Die Arbeitgebenden, die in gutes Führen aus der Ferne investiert haben, sind nun im Vorteil.
